Der ökumenische Gesprächskreis isteine feste Institution in unserem Hausleben. Mitte der 90er Jahre entstand aus einer privaten Initiative einiger Studenten Kontakt mit evangelischen Theologiestudenten, die in Rom ein Studienjahr im Ausland verbrachten. Ende der 90er Jahre wurde das MelanchthonCentrum gegründet, eine von der evangelischen Landeskirche Italiens, der evangelischen Kirchengemeinde Roms und der Waldenserfakultät getragene Einrichtung, die evangelischen Theologiestudenten einen einjährigen Studienaufenthalt an den verschiedenen römischen Universitäten ermöglicht. Der ökumenische Gesprächskreis entwickelte sich mit der Zeit zu einem Punkt fester Zusammenarbeit zwischen dem MelanchthonCentrum und dem Collegium Germanicum et Hungaricum.
Zu Beginn jedes Studienjahres finden sich dort zwei zahlenmäßig etwa gleichstarke Gruppen von evangelischen Theologiestudenten aus dem MelanchthonCentrum und katholischen Theologiestundenten aus unserem Haus. In monatlichen Treffen, die entweder in der Wohnung der evangelischen Studenten, im Gemeindehaus der evangelischen Pfarrgemeinde oder in unserem Kolleg stattfinden, kommt man über wissenschaftlich-theologische, konkret-pastorale und andere Themen ins Gespräch. Der lange Zeitraum von einem Jahr, in dem man sich regelmäßig trifft, ermöglicht es zum einen, tiefer in einzelne Themen einzudringen und auch -außerhalb der Universität- den Austausch zu einem im guten Sinne persönlichen Austausch werden zu lassen. Zum anderen entstehen im Ökumenekreis gelegentlich Freundschaften, die auch noch lange nach den römischen Jahren fortbestehen.
Im Studienjahr 2005/06 stellte der Gesprächskreis die einzelnen Treffen unter das große Oberthema der Spiritualität. So setzte man sich in den verschiedenen Sitzungen mit den Themen "Die Spiritualität des ordinierten Amtes und die priesterliche Spiritualität", "Gebet und Gebetsformen" und "Gemeinsame pastorale Herausforderungen in einer säkularisierten Welt" auseinander. Aber auch die "klassischen" ökumenischen Themen wie ekklesiologische Fragen oder die in Rom so konkret erfahrbare, explizit katholische Frömmigkeitsformen (Heiligenverehrung, Marienfrömmigkeit, Bedeutung des Petrusamtes für den einzelnen Gläubigen etc.) kamen zur Sprache.
Unser heiliger Vater Ignatius gab seinen Missionaren, die er in das reformatorische Deutschland aussandte, Ermahnungen und Anweisungen zum Umgang mit protestantischen Gläubigen mit auf den Weg. Auch wenn sich in den vergangenen knapp 500 Jahren einiges geändert haben mag, so findet man doch eine Gemeinsamkeit im Anliegen des hl. Ignatius und den Germanikern im dritten Jahrtausend, die sich im ökumenische Gesprächskreis engagieren: den Wunsch, den anderen besser zu verstehen. Wenn der Ökumenekreis hierfür eine Hilfe sein kann, dann hat er seinen Zweck bereits erfüllt. |