Bewohner

Gemeinschaftliches Leben im CGU - Das Kolleg, ein Studienwohnheim?

Das Kolleg versteht sich und lebt bewußt als Gemeinschaft: Studierende, Jesuiten und Schwestern bilden eine Lebensgemeinschaft. Sie hat ihre innere Begründung und Motivation, die sich in ganz bestimmten äußeren Formen entfaltet und zum Ausdruck bringt. Dabei ist das Kolleg auf den ersten Blick betrachtet nichts anderes als ein Studentenwohnheim, in dem Studenten unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Studienrichtungen und Altersstufen wohnen. Das Verbindende aller Bewohner ist vor allem die gemeinsame Adresse, der Hausbesitzer, an den alle die Miete zahlen müssen, und die Hausordnung, die für alle verbindlich ist. Darüberhinaus kann man normalerweise doch recht unabhängig voneinander leben. Gerade darin unterscheidet es sich wesentlich vom Kolleg.

Internationalität

Aber wie kann man sich eine "Lebensgemeinschaft" von 60 bis 100 Kollegsbewohnern aus zehn verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen, sich teilweise überschneidenden Sprachgruppen genau vorstellen?

Gottesdienst

Zum Beispiel feiern wir gemeinsam Gottesdienst. Fünfmal in der Woche versammeln wir uns in der Kollegskirche, um miteinander zu singen, zu beten, das Wort Gottes zu hören und die heilige Messe zu feiern. Den Höhepunkt unserer gemeinsamen Gottesdienste bilden neben der Feier der Kar- und Osterliturgie die jährliche Diakonen- und Priesterweihe, die die entscheidenden Stationen auf unserem Lebens- und Ausbildungsweg markieren.

Mahlzeiten

Auch Mittag- und Abendessen sind Schnittpunkte unseres gemeinsamen Lebens. Während der Mahlzeiten bietet sich Raum zum Austausch über das ganz alltägliche Leben, Studium, Politik, Nachrichten aus unseren Heimatländern wie auch über stärker persönliche Themen, Fragen und Kritik.

Spiritualitätsgruppen

Wenn wir gerade nicht Gottesdienst feiern, nicht bei einer der Mahlzeiten sind, uns auch die Vorlesungen nicht zur Uni rufen und wir nicht in der Stadt unterwegs sind, dann könnte es sein, dass wir bei einer Zusammenkunft unserer "Spiritualitätsgruppe" sind. Hinter diesem abenteuerlich klingenden Wort verbirgt sich eine Gruppe von vier bis sechs Studenten, zu denen immer auch ein Priester gehört. Jeden Montagabend kommen die Angehörigen der ""Spritgruppen"" (Kurzform) zusammen, um sich über die Erfahrungen auf ihrem persönlichen Glaubensweg auszutauschen. Das geschieht oft anhand eines bestimmten Themas oder unter einer Leitfrage, die ein Semester lang im Mittelpunkt steht. Einmal in der Woche feiert die Gruppe gemeinsam die heilige Messe. Aufgabe der "Spritgruppen" ist es auch, größere Gottesdienste und Besinnungstage für die ganze Hausgemeinschaft vorzubereiten. Dazu gehört beispielsweise die jährliche Sieben-Kirchen-Wallfahrt. Dabei begibt sich die ganze Kollegsgemeinschaft an einem Sonntag der Fastenzeit auf den traditionellen Pilgerweg durch die Stadt Rom, um die sieben großen Pilgerkirchen zu besuchen und dort zu beten.

Rekreation

Steht der Montagabend stark im Zeichen des geistlichen Lebens und des Austauschs darüber, so gehört der Abend des Sonntags den "Rekreationen". Das sind Treffen der Studenten eines bestimmten Bistums, mehrerer benachbarter Bistümer oder auch eines ganzen Sprachraumes (z. B. die kroatische, slowenische, ungarische Rekreation). Gemeinsames Kochen und Essen, ein Spieleabend, geselliges Beisammensein, ein Abendessen in einer der vielen schönen Trattorie Roms oder auch ein Kinoabend sind einige Beispiele für die Aktivitäten der Rekreationen. Natürlich gehören "Klatsch und Tratsch" über das, was in der gemeinsamen Heimat so passiert, auch immer dazu. Eine Besonderheit ist die "Giornata ungherese" (ungarischer Tag), den die ungarische Rekreation jedes Jahr für die gesamte Hausgemeinschaft veranstaltet. Dabei steht das Kennenlernen der ungarischen Geschichte und Kultur im Mittelpunkt.

Öffentliche Veranstaltungen

-Im kulturellen Bereich ist auch die gesamte Hausgemeinschaft aktiv: Jedes Jahr bereitet sie im Rahmen der "Weihnachtsakademie" für ihre römischen Freunde und Bekannten im Wechsel entweder einen vorweihnachtlich geprägten musikalischen Abend oder einTheaterstück vor. Ebenso ist die "Sommerserenade" ein musikalischgestalteter Abend im Innenhof des Kollegs, der die Gemeinschaft zusammen mit Freunden und Bekannten auf den Sommer einstimmt. Die Studenten, die sich unmittelbar auf die Diakonenweihe vorbereiten, studieren jährlich ein Theaterstück ein, das dann als "Diakonatstheater" für die ganze Gemeinschaft auf die Bühne kommt. Zwei lustige Abende, die "Winter-" und die "Sommermuftik", unter der Leitung des aus dem Kreis der Studenten erwählten "Muftikrex" runden das kulturelle "Eigenleben" im Kolleg ab.

Fazit

Das Kolleg hat also durchaus Ähnlichkeiten mit einem Studentenwohnheim, hebt sich unter dem Blickwinkel der gemeinschaftlichen Lebensform jedoch auch deutlich davon ab.