Studien

Die akademische Ausbildung

Die Ausbildung im "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" ist auf eine kontinuierliche Integration ganzmenschlichen Reifens, geistlichen Wachstums, wissenschaftlicher Kompetenz und pastoraler Befähigung hingeordnet. Im folgenden wird der akademische Aspekt dieses Formationsprozesses dargestellt.

Die akademische Ausbildung der Alumnen findet in der Regel an der "Pontificia Universitas Gregoriana" statt. Sie läßt sich mit Hilfe folgender vier Stichwörter beschreiben:

  1. Universitas magistrorum et scholarium
  2. Universitas studiorum
  3. Ratio studiorum
  4. Universitas litterarum

Universitas magistrorum et scholarium

Die Universalität des Studiums an der Gregoriana ist dadurch bedingt, dass sowohl die Studenten als auch die Professoren aus allen Teilen der Welt kommen. Trotz der relativ hohen Zahl von Studenten (allein an der theologischen Fakultät ca. 1500 Studenten aus ca. 80 Ländern) sind diese aber nicht durch einen "professoralen Graben" von den Dozenten getrennt. Auch wohnen, wo es sich bewerkstelligen läßt, Dozenten und Professoren mit Ordens- und Diözesanstudenten in einem Ordenshaus bzw. in einem Kolleg.

Die Unterrichtssprache an der Gregoriana ist für die Pflichtkurse Italienisch. Daneben können andere Lehrveranstaltungen, wie auch die Prüfungen, in bis zu sechs weiteren Sprachen abgehalten werden. Insofern dominiert nicht eine Sprachgruppe oder Nationalität die gesamte Universität.

Italienisch
Latein
Englisch
Französisch
Spanisch
Deutsch
Portugiesisch

Die Studenten lernen also im Studienalltag nicht nur Mitstudenten aus entfernten Gegenden der Welt kennen, sondern erleben auch eine pluriforme Unterrichtsweise von seiten der Professoren. Ohne viel Aufhebens darum zu machen vermittelt diese "universitas magistrorum et scholarium" die konkrete Katholizität der Kirche.

Universitas studiorum

Mit diesem Stichwort wurde bereits im Mittelalter angedeutet, dass sich das Studium nicht auf ein Fach oder auf eine Fakultät beschränkt, sondern auf die Weite und die Universalität des Wissens abzielt.

Die "Päpstliche Universität Gregoriana" ist in 6 Fakultäten, 3 Institute und 3 weitere Ausbildungszentren untergliedert.

6 Fakultäten
1. Theologie
2. Kirchenrecht
3. Philosophie
4. Kirchengeschichte und Christliche Kunst
5. Missionswissenschaft
6. Sozialwissenschaften

 

3 Institute
1. Spiritualität
2. Psychologie
3. Religions- und Kulturwissenschaften

 

3 Ausbildungszentren
1. Medien und öffentliche Kommunikation
2. Ausbildung von Leitern von Priesterseminarien
3. Laikos. Studiengang zu christlicher Existenz und öffentliches Ethik

Ratio studiorum

Mit diesem Stichwort bezeichnet man den Ausbildungsgang und die Unterrichtsmethode einer Universität.

Möglicher Studienverlauf
eines Germanikers-Hungarikers

1. Zyklus in Philosophie
Dauer: 2 Jahre
Abschluss: baccalaureatus philosophiae
1. Zyklus in Theologie
Dauer: 3 Jahre
Abschluss: baccalaureatus theologiae
2. Zyklus in einem Spezialfach
Dauer: 2-3 Jahre
Abschluss: licentiatus ...
3. Zyklus in einem Fachgebiet
Dauer: 2-3 Jahre
Abschluss: doctor ...

Der akademische Ausbildungsgang an der "Päpstlichen Universität Gregoriana" ist in drei aufeinander aufbauende Abschnitte gegliedert: der sogenannte "1. Zyklus", der je nach Fachrichtung 2 oder 3 Jahre dauert und mit dem akademischen Grad eines baccalaureus abgeschlossen wird; der sogenannte "2. Zyklus", der den erfolgreich bestandenen 1. Zyklus voraussetzt, ebenfalls je nach Fachrichtung 2 oder 3 Jahre dauert, und mit dem akademischen Grad der licentia ubique docendi abgeschlossen wird; schließlich der sogenannte "3. Zyklus", der keine Regelstudiendauer kennt und mit dem akademischen Grad des Doctor abgeschlossen wird.

Die Unterrichtsmethode an der "Päpstlichen Universität Gregoriana" besteht grundsätzlich aus Vorlesungen und Seminaren. Manche Veranstaltungen sind verpflichtend vorgeschrieben, andere als Wahlpflichtfach zu belegen und wieder andere der völlig freien Wahl des Studenten überlassen.

Universitas litterarum

Dieses Stichwort stand in der Geschichte für das Ideal einer organischen Einheit aller Wissenschaften, die ein Student am Ende seines akademischen Ausbildungsweges erreicht haben sollte. Durch die fortschreitende Forschung, die Ausdifferenzierung neuerer Wissenschaftsgebiete und die Anhäufung des entsprechenden Wissens bedingt ist dieses Ziel heutzutage nicht mehr so leicht zu erreichen. Dennoch bleibt es als Ideal bestehen, und ein Student der "Päpstlichen Universität Gregoriana" hat die Möglichkeit, dies seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechend zu verwirklichen.

Das Päpstliche Bibelinstitut und das Päpstliche Orientalische Institut sind zwei eigenständige, aber mit der "Päpstlichen Universität Gregoriana" assoziierte akademische Einrichtungen. Insofern kann man problemlos Lehrveranstaltungen zu spezifischen Fragen der Hl. Schrift oder des kirchlichen Ostens an der jeweils anderen Einrichtung besuchen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das » "Päpstliche Bibelinstitut" und das » "Päpstliche Orientalische Institut" für ordentliche Hörer den akademischen Grad eines "baccalaureus" voraussetzen und ihrerseits den Titel eines "licentiatus" oder "doctor" vergeben.

Darüber hinaus gibt es in Rom weitere päpstliche Universitäten und Athenäen, an denen man vor allem im Hinblick auf eine Spezialisierung (z.B. in Liturgiewissenschaften, Patristik, Moraltheologie o.ä.) studieren kann.