14.10.2020 – Gewalterfahrung und Perspektiven von Versöhnung standen am Mittwoch im Zentrum unserer ersten Akademieveranstaltung im neuem Studienjahr. Der Geschäftsführer der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Dr. Jörg Lüer, führte uns sehr anschaulich in diese ernste Thematik ein. Er plädierte gegenüber der theologischen Versuchung einer allzu schnellen Harmonisierung für einen realistischen und wachen Umgang mit geschehenem Unrecht. „Wer von Versöhnung sprechen will, muss zuerst von Unversöhntem sprechen.“ Erst wenn das Geschehene in aller Wahrhaftigkeit angeschaut werden kann, können sich Schritte der Versöhnung anschließen. Die Begleitung solcher Prozesse bauen auf eindeutige Solidarität mit den Opfern, viel Geduld und einen differenzierten Umgang mit Tätern. Diese müssen in ihren individuellen Entscheidungen, aber auch in ihrer systemischen Bedingtheit in den Blick genommen werden. Versöhnung kann nicht gemacht, vor allem nicht von außen inszeniert werden. Sie beginnt da, wo einzelne Menschen sich auf den Weg zu ihr machen. Dabei kann der Glaube eine große Rolle spielen, denn er verheißt: die oft als übermächtig erfahrene Gewalt behält nicht das letzte Wort, ist nicht letzte Wirklichkeit – sondern Gott.